Lernwelten der Zukunft

Die Zukunft des Lernens#

Frontalunterricht und die grüne Kreidetafel sind Relikte aus früheren Zeiten. Innovative didaktische Modelle, neue Kommunikations- und Medientechnologien und effiziente Organisationsformen halten Einzug in moderne Lernumgebungen – nicht nur Klassenzimmer und Vorlesungssäle, sondern auch Aus- und Weiterbildungseinrichtungen und Trainingszentren von Unternehmen erhalten nach und nach ein neues Gesicht.

Eine neue Generation von Lernenden und Lehrenden erwartet neben zielgerichteten Lern- und Studieninhalten eine Bandbreite unterschiedlicher technologischer und organisatorischer Infrastrukturen. Mobilität, Flexibilität und die Effektivität zählen dabei zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren. Ob in Form differenzierter E-Learning-Angebote, webbasierter Interaktion und Kommunikation oder moderner, lernförderlicher Gebäude und Räume für den Präsenzunterricht, die gemeinsames Lernen, Entdecken und Erleben bieten: die Möglichkeiten hierdurch einen Beitrag für effizientere Lernprozesse zu liefern sind vielfältig, werden bisher aber nur in Ansätzen realisiert.

Wir erkennen zudem, dass gerade angesichts der zunehmenden Bedeutung lebenslanger Weiterentwicklung und -bildung die Konkurrenz entsprechender Angebote und Anbieter größer wird. Universitäten konkurrieren um Studierende und differenzieren sich weiter aus, um z.B. Menschen nebenberuflich oder nach Beendigung des Erwerbslebens für Angebote zu gewinnen. Schulen schärfen ihre Profile aus, um für die Besten attraktiv zu bleiben. Und auch Bildungsdienstleister für berufliche Aus- und Weiterbildung experimentieren mit neuen Lern- und Betreuungsformen.

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Neue Lernformen brauchen unterschiedliche Lernräume#

Das Verbundprojekt »Lernwelten der Zukunft« erforscht die Zusammenhänge von Lernerfolg und guter Gestaltung realer und virtueller Lernräume

Wir stellen die Frage, welche Faktoren auf das Lernen einen positiven Einfluss ausüben. Die öffentliche Diskussion kreist um Bildungspläne, Bildungsstandards, Betreuungsschlüssel und die Ausbildung der Pädagogen. Die betriebliche oder überbetriebliche Aus- und Weiterbildung entwickelt Berufsbilder und Lernformate weiter und profitiert dabei auch von neuen Kommunikationstechnologien und innovativer Medienausstattung.

Ein wesentlicher Gestaltungsfaktor kommt dabei regelmäßig zu kurz: Das räumlich-organisatorische Umfeld der Menschen, die miteinander und voneinander lernen sollen. »Der Raum ist der dritte Pädagoge«, so formuliert es Loris Malaguzzi. Er fasst unter »Raum« ein sehr weites Konzept, das nicht nur nach ästhetischen Prinzipien, sondern auch stark nach funktionalen Gesichtspunkten gestaltet werden sollte, um der Individualität von Lernenden, verschiedensten Lernmaterialien und -formaten möglichst entsprechen zu können und die Interaktion zwischen Lernenden und ihren Lernbegleitern zu unterstützen.

Investitionen in Bildung zukunftsgerecht gestalten#

Wir gehen davon aus, dass in die Gestaltung von Lernräumen der Zukunft, sei es in allgemeinbildenden oder naturwissenschaftlich-technischen Schulen, Hochschulen und Akademien, in Unternehmen oder bei Bildungsanbietern, noch viel mehr Forschungs- und Konzeptionsarbeit gesteckt werden muss, um Menschen in ihrem aktiven Lernen zu unterstützen und mit der zunehmenden Heterogenität der Erwartungen und Lebens- wie Lernstile umgehen zu können.

Innovationsnetzwerk »Lernwelten der Zukunft«#

Unser Innovationsnetzwerk »Lernwelten der Zukunft« wird sich mit diesen Gestaltungsansätzen aktiv auseinandersetzen. Ziel des Netzwerks ist es, die Gestaltung, Organisation und Ausstattung für innovative Lern- und Bildungszentren für unterschiedliche Zielgruppen zu erforschen.

Im Einzelnen wollen wir:

  • in einer umfassenden Perspektive Lernszenarien entwerfen, die Raum, Technologien, Organisation und methodische Neuerungen gleichermaßen betrachten
  • relevante Trends in den jeweiligen Gestaltungsbereichen beobachten, bewerten und für die Partner aufbereite
  • den Zusammenhang zwischen der Gestaltung von Lernräumen und Lernerfolg erarbeiten
  • identifizieren, wie die eine anforderungsgerechte Gestaltung der Lernräume positiv auf die Wirtschaftlichkeit im Betrieb auswirkt
  • neue Organisationsmodelle für Anbieter entwickeln
  • eine Plattform für Hersteller von Lerntechnologien und Ausstattung, Lehrern und Trainern, Betreibern, Forschung und Politik darstellen.

Dieses soll unter der Leitung des Fraunhofer IAO und Fraunhofer IBP durchgeführt werden.

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»Der Raum ist der dritte Pädagoge« #

Loris Malaguzzi

In welchen grundlegenden Formen wird Lernen in Zukunft stattfinden?

Wir werden Lernszenarien entwerfen, die Raum, Technologien, Organisation und methodische Neuerungen gleichermaßen betrachten.

Wie entwickeln sich die relevanten Trends für die Gestaltung von Lernräumen?

Wir werden die relevanten Entwicklungen im Bereich der Raumgestaltung, der Ausstattung, der Methodenentwicklung und der Nutzeranforderungen beobachten und bewerten.

Welche bewährten Gestaltungsregeln gibt es? Welchen Zusammenhang zwischen der Gestaltung von Lernräumen und Lernerfolg gibt es?

Wir werden gute Beispiele identifizieren und aufbereiten, Gestaltungsregeln und gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse zusammenstellen und den Partnern zur Verfügung stellen.

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Projektpartner#

Im Verbundprojekt wirken Ausstatter, Anwender und Forschungsinstitutionen zusammen

Verbundpartner sind:

  • das Fraunhofer IAO und das Fraunhofer IPB als unabhängige Forschungsinstitute (Leitung, wissenschaftliche Basis, Kommunikation)
  • Ausstatter von Lehr- und Lernräumen, Informations- und Kommunikationstechnologieanbieter, Medienausstatter
  • Betreiber von Bildungszentren und Bildungsanbieter

Das Projekt wird begleitet von einem Fachbeirat, in dem auch Vertreter von Bundes- und Landesministerien bzw. dort angesiedelten Forschungseinrichtungen sind, Schulträgern, sowie ausgewählten Vertretern von Berufsschule und anderen Lehreinrichtungen.

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Visionäre Bildungskonzepte#

In der HP »Catalyst Initiative« forscht das Fraunhofer IAO an neuen Lernräumen

Unter dem Motto »Lernwelten der Zukunft« entstehen Lernräume, die den Bildungs-Anforderungen der Zukunft gerecht werden.

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart hat mit seiner Forschungsarbeit zu »Lernwelten der Zukunft« den Zuschlag für die begehrte HP »Catalyst Initiative« erhalten. Das globale Innovationsprogramm wurde von HP ins Leben gerufen, um weltweit effektivere Lernergebnisse in den Bereichen Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften und Technik (kurz MINT genannt) zu erreichen. Dies ist notwendig, da sich MINT-Bildung maßgeblich auf den sozialen Fortschritt und die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit auswirkt. Außerdem benötigen MINT-Studenten zusätzliche Fähigkeiten, um projektbasierte, interdisziplinäre Aufgaben zu bewältigen, die Innovationen und multikulturelle Zusammenarbeit fördern.

Dazu verteilt HP sechs Millionen US-Dollar in Form von Technologie und Bargeld an insgesamt 35 Bildungseinrichtungen, unter denen sich auch das Fraunhofer IAO befindet. Siegerkriterien waren die Präsentation von innovativen Lernkonzepten mit internationaler Bedeutung und Übereinstimmung mit den Zielen der Catalyst Initiative. In fünf verschiedenen Konsortien wird das Geld für die Forschung an Innovationen rund um die MINT-Studienbereiche eingesetzt und für Reformen bei Lern- und Lehrmethoden verwendet. Die Konsortien werden jeweils von verschiedenen internationalen Institutionen geleitet und behandeln unterschiedliche Themen. Das Fraunhofer IAO befindet sich im »Pedagogy 3.0«-Konsortium, das von Futurelab (UK) geführt wird und sich mit neuen Ansätzen der Lehrervorbereitung beschäftigt. Ziel ist es, Schülern ein dem 21. Jahrhundert angepasstes Lernen zu ermöglichen. Langfristig sollen mehr und bessere MINT-Lehrer ausgebildet werden, deren Schüler wiederum bessere Noten erreichen als es derzeit der Fall ist. Dieses Projekt dauert zunächst zwei Jahre und baut auf der von US-Präsident Barack Obama ins Leben gerufenen »Educate to Innovate«-Koalition auf, die die Ergebnisse von MINT-Fächern verbessern soll.

Details der Catalyst Initiative

  • Die Catalyst Initiative bildet im Jahr 2010 fünf globale Konsortien, die sich jeweils auf ein spezielles Innovations-Thema fokussieren, um die Ausbildung in den MINT-Fächern zu verändern und zu reformieren. Die fünf Themenbereiche befassen sich mit Lehrer-Vorbereitung, Online-Ausbildung und Lernerfolgen durch den Einsatz von Technologie sowie mit der globalen Zusammenarbeit von Schülern und Studenten.
  • Die Mitglieder der Konsortien wurden aus einem globalen, offenen Ideen- und Konzept-Wettbewerb ermittelt. Die Auswahl erfolgte nach zwei grundlegenden Kriterien: Herkunftsland und Status einer anerkannten Bildungs-Institution (wie zum Beispiel Schulen, Hochschulen, Universitäten sowie nicht profitorientierte Bildungs-Organisationen). Vertretene Länder sind Brasilien, China, Frankreich, Deutschland, Indien, Kenia, Russland, Südafrika, UK und die USA.

Ein neues globales Konsortium

Die Konsortien der HP Catalyst Initiative werden von folgenden globalen Institutionen geführt: Carnegie Mellon University, the Sloan Consortium, FutureLab (UK) (in diesem Konsortium forscht das Fraunhofer-Institut), the CSIR Meraka Institute (Südafrika) und die Agastya International Foundation (Indien). Außerdem unterstützen die OECD und die UNESCO das Projekt.

Zitate

Dr. Josephine Hofmann, Leiterin des Competence Centers Business Performance Management am Fraunhofer IAO:
»Unsere Forschung beim Fraunhofer IAO geht in mehrere Richtungen. Wir berücksichtigen neue Lernmethoden auf Basis von Social Media- und Web 2.0-Anwendeungen und entwickeln neue Methoden zur selbstorganisierten Form des Lernens. Außerdem geht es darum, einen Lernraum der Zukunft zu entwickeln, der flexibel und studierfreundlich ist und größeren Lernerfolg gewährleistet. Der Lernraum ist »der dritte Pädagoge« und maßgeblich daran beteiligt, moderne Lernformen zu realisieren. Durch die Unterstützung von HP erhalten wir High-Tech-Ausstattung und können unsere Forschungsarbeit deutlich erweitern.«

Jeannette Weisschuh, Director Education Initiatives bei Hewlett-Packard:
»Die HP Catalyst Initiative unterstreicht unsere Vision einer Welt, in der Innovationen und Zusammenarbeit durch Investitionen in Technologie und Bildung ermöglicht werden. Dieses Programm wurde ins Leben gerufen, um die wichtigsten Herausforderungen der Gesellschaft zu meistern, indem Führungspersönlichkeiten ausgebildet und gefördert werden. Diese sind wiederum ausschlaggebend dafür, dass wir neue, globale Netzwerke entwickeln, um uns miteinander auszutauschen und zu arbeiten.«